Sonntag, 19. Juni 2011

Ein Textsplitter aus dem „Traumsplitter“ – rein romantischer Natur





Vor einiger Zeit brauchte ich dringend einen super-romantischen Rote-Nase-plus-Schokolade-Film, denn Ella – mein 21 Jahre alte „Traumsplitter“-Heldin und ihres Zeichens angehende Photographin - bekommt Nachhilfe in Sachen Liebe von einer künftigen Braut, die sie ablichtet. Zuerst macht Ella sich lustig über die rosarote Sichtweise der anderen, denn das Thema „Verliebt bis über beide Ohren“ ist ihr nicht ganz geheuer und sie versucht, mithilfe einer Dosis Zynismus auf Distanz zu gehen. Gelingt ihr natürlich nicht. Denn mit der Liebe ist es wie mit dem Anschauen von Liebesfilmen: wenn es erst einmal funkt, gibt es kein Entkommen. Da hilft dann auch kein ironisches Augenbrauenhochziehen mehr.

Auf der Suche nach dem richtigen Film für diese Szene habe ich ganz liebe Unterstützung von einigen Ladies and Gentlemen auf meiner facebook-Seite herhalten. Hier nun als Danke einen winzigen und leicht bösen Abschnitt aus dem Kapitel „Brautschau“. Wie immer gilt: wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten ;-)

„Ja“, hauchte die Braut und blinzelte eine Träne weg. „Bei mir und Hannes ist das dasselbe. Diese innere Stimmigkeit, die man kaum erklären kann. Je besser wir uns kennen, desto tiefer wird die Überzeugung, dass wir eins sind. Hannes würde das ja nie zugeben, aber auch er spürt diese tiefe Zusammengehörigkeit. Schicksal nennt man das, daran glaube ich fest. Wenn man so etwas hat, darf man es nicht einfach aufgeben, nur weil ein Fehler gemacht worden ist. Da braucht man als Frau Herzensstärke.“ Diesem Gedanken nachhängend, blickte die Braut in die Ferne, ein verräterisches Glitzern in den Augen, während ihre Hand suchend über das Holzgeländer glitt.
Ella fotografierte mittlerweile rein instinktiv.
Die Braut mochte einmal zu oft Nur mit dir gesehen haben, aber irgendwie war dieser unumstößlich Glaube an die wahre Liebe auch mitreißend. Konnte es sein, dass es das gab? Und selbst wenn ... waren sie und Gabriel geeignete Kandidaten für dieses Spiel? Zumindest sie schaffte es ja nicht einmal anständig verliebt zu sein, ohne gleich die Nerven zu verlieren. Was sollte sie da bloß mit Liebe anfangen?
Ella drückte erneut den Auslöser, als die Braut sie zuckersüß verträumt anlächelte. Nun, wenn es die wahre Liebe für diese Junge Frau gab, warum sollte Ella Johansen dann nicht auch einmal ihr Glück versuchen?

Dienstag, 14. Juni 2011

Taschentücher und Baldrian

Einen Roman zu schreiben, ist eine großartige und ausgesprochen befriedigende Angelegenheit. Ein Haufen Buchstaben, die eine Welt abbilden, die ansonsten nur im Kopf des Autoren existiert hätte. Garniert mit den Momenten, wenn man beim Schreiben in eine flow gerät, die Sache sich also verselbstständigt und man sich später wundert, welche Wege man in der Geschichte eingeschlagen hat und woher noch einmal diese eine Figur mit dem seltsamen Namen kommt, die so viel Raum für sich in Anspruch nimmt. Das ist alles sehr schön, und wenn ich dann meinen Laptop ausschalte, habe ich stets ein zufriedenes Lächeln im Gesicht.
         So könnte das gern immer sein - ist es aber leider nicht. Denn es gibt da noch etwas anderes, die sogenannten Schreikampfzustände, auch als Überarbeitungsphase bekannt. Die kennt vermutlich jeder, der einmal einen Text geschrieben und anschließend poliert hat. Für Autoren, die ihre Romane mit der Akribie eines Feldzugs planen, ist dieser Arbeitsschritt vermutlich ein Klacks: ein bisschen Lektoratsanmerkungen umsetzen und noch mal nach Tippfehlern suchen. Das war’s!
Tja, bei mir nicht. Wenn ich zu schreiben beginne, habe ich zwar Figuren, Thema und eine ungefähre Wegbeschreibung für die Story im Kopf, bin allerdings jederzeit bereit, sämtliche Pläne über Bord zu werfen und zu tun, was mir die Muse einflüstert. Und sie flüstert mir gerne Dinge zu wie „Das war ja alles ganz toll mit dem Konzept bislang, aber warum machen wir es nicht einfach anders herum? Wäre doch auch ganz spannend“ oder „Ja, klar, Gabriel sollte ein ganz Hinterhältiger werden. Du bist ja auch die Autorin, es ist dein Roman … aber er meint, so sei er gar nicht. Vielleicht denkst du ja mal drüber nach“ Was ich dann auch prompt mache. Und – zack – ist das unter Qualen geschriebene Exposee Altpapier und Gabriel der lässige Typ, der er seiner Meinung nach sein sollte.
         Meine Muse plappert gern und viel, sodass ich im Endeffekt viel und weniger gern überarbeiten muss. Um es professionell auszudrücken: die Anschlüsse müssen stimmen. Damit sie das tun, sitze ich wochenlang über einem Text und grübel und poliere und lese nach und … widerstehe mühsam dem Verlangen, die Löschtaste zu drücken, damit das Elend endlich ein Ende hat. Jedes Mal dasselbe Drama. Soll ja ein anständiger Roman werden, versuche ich mich zu motivieren. „Ich hätte da eine sensationelle Idee im Angebot“, funkt mir die Muse dazwischen. „Du brauchst nur eine neue Datei zu öffnen und sie notieren. Wenn es gut läuft, kannst du ja mal ein paar Zeilen antesten. Nur so zum Spaß. Dieses ewige Überarbeiten ist doch laaaangweilig.“ Das finde ich auch, trotzdem würge ich die Muse ab und starre den Bildschirm mit den Szenen an, die doch eigentlich alle schon geschrieben sind. Reiße mich zusammen, konzentriere mich, bin voll bei der Sache. Vielleicht nicht ganz, denn diese „sensationelle Idee“ klang schon interessant. Und tippen kann ich mittlerweile wie ein Weltmeister. Genau, ich mache ganz rasch, dann schaffe ich beides: neue Idee aufschreiben, alte Idee polieren.
         Geht natürlich nicht, ist schon klar. Mit einem Hintern auf mehreren Hochzeiten tanzen und so. Trotzdem gerate ich jedes Mal in Versuchung. Das Autorendasein ist schon eine traurige Angelegenheit. Zumindest in den Schreikrampfphasen.


Sonntag, 5. Juni 2011

Entzug macht klug ... oder so


Eine Sache, die ich jedem schreibenden oder sich auf eine andere Art kreativ austobenden Menschen empfehlen würde, sind Auszeiten. Richtig bewusst gesetzt, auch wenn einem beim Gedanken daran schon ganz komisch wird. Jedenfalls ist das bei mir so, ich muss nur „Auszeit“ denken, dann bekomme ich bereits feuchte Hände und schraube an Ausreden à la „Aber Notizen auf Schmierpapier zählen ja wohl nicht, oder?“ (in meinem Fall zählen sie wirklich nicht, weil ich meine eigene Handschrift nicht lesen kann, diese Art Notizen also quasi nicht existieren). Qual egal, ab und an muss das einfach sein. Schreiben darf nicht zum 0815-Erlebnis werden, sondern muss etwas Besonderes sein, etwas, bei dem man aufgeregt ist. Diese kleinen Auszeiten, die also ein regelrechter Entzug sind, halten die Liebe frisch, wenn man es so sehen will.
In meinem Fall bedeutet das: das Laptop bleibt aus, der Küchentisch wird ausschließlich als Küchentisch benutzt, und die Tore ins Netz bleiben verriegelt und verrammelt. Kein rasches Email-Checken, no Sir! Die einzige Pforte ins Zauberland, die offen bleibt, ist das Oberstübchen, die ich allerdings meide. Stattdessen ist Rumtreiberei mit dem Kind angesagt – ein Fünfjähriger braucht nicht mehr als einen Stock in der Hand und eine Mutter, die ihm willig über jeden Schlammpfad folgt. Es wird gekocht – auch kreativ, aber halt anders. Und es wird gelesen – ausschließlich Fun-Krams (Empfehlung des Tages: Jana Olivers „The Demon Trapper`s Daughter“ – allein der Anfang mit einem frech herumpinkelnden Bibliotheksdämon ist es auf jeden Fall wert).
Und irgendwann im Lauf der Auszeit wird die Zauberland-Pforte von der anderen Seite aufgestoßen und die Ideen purzeln heraus. Das ist mein absoluter Lieblingsmoment, dann heißt es Erntezeit. Hier ein Auszug aus meiner aktuellen Ernte: Lösung für eine „Traumsplitter“-Szene, die mir Bauchschmerzen gemacht hat, ein neues Sphäre-Element für „Schattenschwingen III“ und die fantastische Welt für meine „Wächter“, die neue Jugendbuch-Reihe nach den Schwingen, hat sich aufs Schönste vor meinem geistigen Auge ausgebreitet. Vielen Dank dem, der diese Schätzchen durch die Pforte geschickt hat! Meist fällt dieses Gepurzel übrigens mit dem Zeitpunkt zusammen, wenn es in den Fingern zu kribbeln anfängt und man der festen Überzeugung ist, gleich platzen zu müssen, sollte man nicht sofort den Rechner anschmeißen dürfen.
Probiert es mit der Auszeit einfach einmal aus, aber haltet eure Notizblöcke, Zeichenutensilien oder was auch immer bereit. Denn: mit Früchten ist zu rechnen.


Freitag, 20. Mai 2011

Morgenrot II


Ach, über das Thema „Morgenrot II“ zu schreiben, fällt mir wirklich schwer, und ich habe mich ja auch elendig lange davor gedrückt ... Aber nachdem ich gerade bei meinem Literatopia-Interview darüber erzählt habe, ist es wirklich einmal an der Zeit, dass ich mich der Sache auch hier stelle. Gut, Zähne zusammenbeißen und raus damit: leider wird „Morgenrot II“ später als geplant erscheinen. Einfach aus dem Grund, weil ich die Geschichte im Augenblick nicht fertigschreiben kann (Autorin sinkt mit der Stirn auf den Tisch und wimmert leise).

Nicht etwa weil das Schreiben von „Nachtglanz“ mich hat ausbluten lassen (und das hat es!) oder ich gar meinen Adam nicht mehr verfallen bin, sondern weil mir ein Hauptschauplatz weggebrochen ist. Die zweite Hälfte von „Morgenrot II“ sollte in Tokyo spielen, Handlung und Figuren waren darauf ausgerichtet. Im März wollte ich nach Japan reisen und recherchieren, doch die Reise fiel dann aus wegen der schrecklichen Ereignisse, mit denen dieses großartige Land zu kämpfen hat. Dadurch ist die Geschichte, so wie ich sie mir vorgestellt habe, einfach nicht mehr umsetzbar. Zum einen, weil es mir wichtig gewesen wäre, mir die Schauplätze selbst anzusehen und zu erleben. Zum anderen ist Tokyo nach den Katastrophen gewiss nicht länger die Stadt, die mich zu meinem Finale inspiriert hat. Ich kann ja nicht so tun, als wäre nichts passiert, und in einem Vampirroman darauf Bezug zu nehmen, fände ich unpassend.

Also werde ich „Morgenrot II“ ein Stück größtenteils neu erfinden müssen ... sobald ich mich von meiner ursprünglichen Idee verabschiedet habe, was mir sehr schwer fällt. Jedes Mal, wenn ich mich dem Thema nähern will, flüstert mir eine Stimme ins Ohr: „Willst du deinen Figuren wirklich nicht die Möglichkeit geben aufzutreten? Das ist ihr Tod“. Schlechtes Gewissen und Kreativität vertragen sich nicht besonders gut, und deshalb werde ich mich erst einmal auf den dritten Band der „Schattenschwingen“ stürzen. Danach sehe ich dann weiter ... *schnief*

Mittwoch, 4. Mai 2011

Das Gesicht einer Geschichte

Kaum etwas anderes in der schönen Welt der Bücher bringt die Gefühle ähnlich zum Kochen wie die Cover-, also die Umschlagsgestaltung für einen Roman: weil der Autor entweder vollkommen vernarrt oder schlichtweg entsetzt ist, während alle anderen um ihn herum sich komplett gegenteilig verhalten („alle hier im Haus LIEBEN dieses Cover - und Sie nicht?“). Oder – zumindest in den Autorenohren – verrückte Ansichten äußern. Was der eine „stark“ findet, kommt beim anderen „düster und irgendwie too much“ an, der eine sagt „Oh, wie süß!“, der andere „Kitsch“. Es gibt vermutlich keine aussichtslosere Diskussion als die ums Cover, jeder hat eine Meinung und die ist meist geschmäcklerisch gefärbt.
Glücklicherweise war ich meinen Covern bislang happy und die meisten von ihnen liebe ich sogar (bei jeder Lesung bleibe ich am Büchertisch hängen und möchte am Liebsten jedes einzelne von ihnen streicheln). Das Zauberwort, das mich glücklich gemacht hat, heißt „Autorenausstattung“, also dass die Schätzchen optisch einem bestimmten Autoren zugeordnet werden können. Ein Markenzeichen quasi. Macht sich außerdem schön im Regal!
Nun, zumindest galt das mit der Autorenausstattung bislang für meine Dämonen-Romane bei Heyne. Wer das Cover von dem im Herbst erscheinenden „Traumsplitter“ gesehen hat, wird sofort wissen, warum ich "bislang" schreibe (und sich im Zweifelsfall „Oh, da ist wohl was schiefgelaufen ... Coververwechslung?“ fragen). Und ich muss gestehen: ich liebe es. Zuerst fiel mir der Gedanke schwer, mit dem Stil zu brechen, den „Morgenrot“ 2008 vorgegeben hat. Aber nicht nur die Zeit schreitet voran und fordert Veränderung, sondern schlicht auch die Geschichte von „Traumsplitter“. Zweifelsohne ist der (offiziell) dritte Dämonen-Roman ein echter Dämonen-Roman, aber eben auch einen Ticken anderes. Das war schon damals klar, als ich 2006 – so lang ist das schon her ... verrückt – die Grundidee aufgeschrieben habe. Der Sommer-Roman, wie er lange Zeit hieß, sollte einen anderen Ton bekommen, ein Gegengewicht zu dem von Zerrissenheit geprägten „Morgenrot“ und dem düsteren „Wintermond“ darstellen – ein wenig, als wäre man trunken sollte er sein, verwirrend und mitreißend, eben ein Sommernachtsmärchen.
Als ich dann das Cover sah, war ich sofort verliebt. Wegen der Illustration und der Idee mit der Spiegelfolie – keine Frage. Aber vor allem weil es ein „erzählendes“ Cover ist. Dieses verspielte Motiv passt nur auf meinen „Traumsplitter“, ganz anders als die Frauengesichter, denn er enthält Motive des Romans. Das fasziniert mich, ich muss es mir immer wieder anschauen und staunen, dass die Illustratorin tatsächlich meine Geschichte in eine Miniatur umgesetzt hat. Zwar in shocking pink, aber selbst das lasse ich ihr durchgehen.
         Ein Traum von einem Cover. Ich Glückskind ... ;-)

Freitag, 15. April 2011

Leidenschaft, Baby!

Es gibt ein Wort, über das ich bei einer bestimmten Sorte Roman immer wieder stolpere: Leidenschaft. Ich habe ordentlich lange gebraucht, um dahinter zu kommen, dass damit etwas ganz anderes als die klassische Bedeutung dieses altehrwürdigen Wortes gemeint ist. Es ist eine Chiffre für Romane, in denen es bombensicher alle fünfzehn Seiten eine Holla-die-Waldfee-Szene gibt.
Was für eine Erkenntnis!
Muss ich prompt M. erzählen, als wir in einem Buchladen zwischen den Regelreihen umherstreifen und versuchen, einen Überblick über das Meer der Neuerscheinungen zu bekommen.
M.: „Alle fünfzehn Seiten?“
Ich drücke ihm ein „leidenschaftliches“ Buch in die Hand, er schlägt es auf und liest „ihre zuckenden Schenkel“ vor.
M.: „Das ist ein Zufall. Ich schlag einfach mal eine ganz andere Seite auf.“ Seine Augenbrauen rutschen verblüfft hoch. „Das lese ich jetzt mal lieber nicht laut vor.“
Ich: „Das ist Leidenschaft.“
M.: „Das ist Akkordarbeit.“ Nimmt ein anderes Buch mit zum Verwechseln ähnlichem Cover. Blättert, fängt an zu grinsen. „Weißt du, wie man einen Roman mit erotischen Elementen von einem Porno unterscheidet?“
Ich (abgelenkt durch eine junge Frau, die mit glänzenden Augen einen Bücherstapel durch den Gang balanciert): „Geht das denn überhaupt? Ist doch alles ... Leidenschaft.“
M.: „Also, wenn der Techniker anklopft und die leicht bekleidete Apartmentbewohnerin sagt „Na, dann verlegen Sie mal Ihr Kabel“, dann kann das durchaus noch ein ordentlicher Roman werden. Wenn der Techniker allerdings bis ins 15. Stockwerk steigt und er auf jeder Etage klingelt und sein Kabel verlegt, dann ist das Porno.“
M. schlägt eine beliebige Stelle auf und liest vor: „Er war so hart, dass es weh tat.“
Das ist ... wie soll ich sagen?
15. Stockwerke ;-)

Mittwoch, 6. April 2011

Einen Namen für das Kind

Interessanterweise braucht jedes Kind einen Namen – Geschichten nehmen sich davon nicht aus.

Manchmal werden Geschichten heiß herbeigesehnt, oftmals melden sie sich unverhofft an und zerschlagen einem sämtliche Pläne, gelegentlich sind sie nicht mehr als ein kleines Häufchen aus Worten, das erst einmal gehegt und gepäppelt werden muss. Aber immer, wirklich immer, schreien sie sofort nach einem Namen. Ich habe eine extra Datei (handschriftlich geht bei mir nichts, mein Gekrakel kann ich bereits zwei Sekunden später bereits nicht mehr entziffern), in der meine Ideen oder eben Bruchstücke von einer Idee sammle. Manchmal stehen da original drei Sätze. Drei Sätze sind nun wirklich nicht viel, kann man eher vernachlässigen. Und trotzdem ist da sofort die Forderung der drei Sätze, einen Titel verpasst zu bekommen. Zum Verrücktwerden.

Meist schlage ich mich mit „Das ist mir als erstes in den Sinn gekommen“-Titeln durch, die berühmt-berüchtigten Arbeitstitel. So heißt der letzte Eintrag in der Schatz-Datei z.B. „Der Walfischknochen“ (wer eine Idee hat, was für eine Story dahinter steckt, der bekommt ein lustiges Geschenk von mir). An Schönheit nicht zu überbieten, aber die Geschichte war damit zufrieden. Was will Autorin mehr?

Mein erster Roman trug den Arbeitstitel „Pure Morning“, weil der gleichnamige Rocksong mich inspiriert hatte. Daraus hat der Verlag dann „Morgenrot“ gezaubert. Danke. Es folgte ein Wolfsroman, der bei mir „Wolf“ hieß. Da habe ich die Kreativität halt lieber in den Text fließen lassen ... Als dann „Wintermond“ als Titel aus dem Hut gezogen wurde, waren – soweit ich das mitbekomme – alle sehr glücklich. „Nachtglanz“ hieß lange „Adam“ und es fiel mir sehr schwer, mich von diesem Arbeitstitel zu lösen. Da haben es mir die „Schattenschwingen“ wesentlich leichter gemacht, die haben ihren Namen gleich mitgebracht. So sollte das immer sein, dann vergießen um Konsens bemühte Lektorinnen auch nicht so viele Tränen wegen ihrer sturen Autorin.

Nun also der „Sommer-Roman“ oder der Hass auf den Titelschutz:

1)   Sommernachtstraum – da hockt irgend so ein Shakespeare drauf
2)   Traumwanderer – hat sich bereits Kollege Lode gekrallt
3)   Die andere Seite der Nacht – gleich mehrere KollegInnen

Dann gab es noch „Im Erwachen“ – fand der Verlag nicht gut. Von „Die Nacht in dir“ habe ich mich dann von allein verabschiedet, klang irgendwie glitschig. Nach wochenlangem Hirnzermatern und dem zunehmenden Bedürfnis, die Datei mit dem Text einfach zu löschen, dann endlich ein Name: „Traumsplitter“. Eine schwere Geburt, auch wenn es gar nicht danach klingt.

Traumsplitter ... welche Erleichterung, als sich herausstellt, dass da keiner drauf hockt, das Verlag und die Autorin happy sind und der Roman sich auch nicht mit Händen und Füßen dagegen wehrt. Ich gestehe: ich habe mir die ganze Zeit über einzureden versucht, dass der Titel nicht wichtig ist. Jetzt weiß ich: er ist es. Verflixt noch einmal.