Donnerstag, 6. Oktober 2011

Baby da!


Es war zwar nicht der Klapperstorch, sondern der Postbote, der wie jeden morgen mit viel Gepolter unsere Treppe erklommen hat, aber ein Baby hatte er trotzdem mit dabei in seine Tasche. Sogar eins von der pflegeleichten Sorte, das weder Windeln braucht noch rumkrakelt. Meine Aufmerksamkeit ist ihm ohnehin sicher, weil es so außergewöhnlich hübsch anzusehen ist. Knallrosa, so wie man sich das von einem Baby wünscht.
Okay, ich gebe es zu: ich bin ein wenig überdreht, dabei hat der Postbote im Lauf der letzten Jahre schon einige Babys vorbeigebracht. Das tut meiner Begeisterung keinen Abbruch, es bleibt das Mama-Gefühl, das nichts anderes bedeutet als „auf dich habe ich gewartet“.
Was für ein Schutzumschlag! Silbrig schraffiert mit Spotlacklackierung und gestanzten Metallranken und -blättern. Muss ja auch mal zugegeben werden, dass so ein schickes Outfit für ein Buch auch nicht gerade unwichtig ist. Liebe auf den ersten Blick – nie zu unterschätzen.
Oh, jetzt kommt mir gerade der Gedanke, dass es ganz schrecklich wäre, wenn jemand den „Traumsplitter“ lediglich wegen seines umwerfenden Aussehens mit nach Hause nimmt und dann feststellt, dass sie oder er seinen Inhalt nicht mag. Womit wir bei der nächsten Emotion der Buchveröffentlichung angekommen wäre: zittern, erwarten, verzweifeln. Mütter wollen halt immer, dass ihre Kinder geliebt werden.


Und so sieht er aus, der kleine Spatz

Dienstag, 6. September 2011

Eine Stimme für den Traumsplitter

„Lampion! Lampion! Lampion!“
Ein Wort, das sich fix tippen lässt, und über das man wirklich nicht nachdenken muss. Zumindest nicht als Autor. Für einen Sprecher kann es glatt zum Hassobjekt werden.
„Du, Annina, das klingt immer noch wie Champingnon und nicht wie Lampiooon.“
Den folgenden Wutschrei kann ich dafür nur umschreiben, während Annina Braunmiller ihn eindrucksvoll vorführen kann. Wie die Sprecherin des „Traumsplitters“ ohnehin alles sehr eindrucksvoll macht an diesem Septembertag im Münchner opus live -Studio:  flüstern, drohen, flirten und sogar singen. Alles unterlegt mit der passenden Mimik, wie die faszinierte Autorin von ihrem Stuhl hinterm Mischpult aus beobachtet.
Annina lebt, was sie spricht, ist ganz und gar in jeder Figur drin.
Dass ich mit dabei sein darf, wenn das „Traumsplitter“-Hörbuch aufgenommen wird, verdanke ich Thomas Krüger, der seines Zeichens nicht nur Herrscher über den Audiobuch-Verlag „Schall & Wahn“ ist, sondern auch die Regie bei der Aufnahme führt. Ihm ist es zu zuscheiben, dass Annina und der Lampion schon bald ganz dicke miteineinander sind.
„Können die Dinger nicht einfach chinesische Leuchtkunstwerke heißen?“, fragt die Sprecherin mit einem charmanten Lächeln.
Nein, leider nicht.
Man sollte eigentlich nicht glauben, dass einem „chinesische Leuchtkunstwerke“ leichter von den Lippen geht, aber bei Annina klappt das ... wie auch alles andere, was sie in dem kochendheißen Studio ins Mikro spricht (draußen herrschte Sonnenschein pur - was mir persönlich schnuppe war, ich hätte stundenlang zuhören können. Na ja, habe ich dann ja auch). Sicherlich hängt es mit ihrer Musical-Ausbildung zusammen, die die Basis dafür bildet, dass Thomas nur sagen muss: „Leg mal die Betonung aufs Verb“ und – zack – schon klingt der Satz vollkommen anders. Vor allem ist jedoch ihre akribische Vorbereitung dafür verantwortlich, dass sie den Roman nicht bloß vorliest, sondern interpretiert. Auf eine Weise, dass ich als Autorin daneben sitze und ständig denke: „Genau so muss das klingen, der Ton ist perfekt Ella“. Und erst Anninas fiese Bernadette ... eine tiefe sexy Stimme. Kaum zu glauben, wo sie ansonsten doch eher jung und und von der Stimmlage eher hoch klingt.
In einer Pause, in der wir kräftig Wasser trinken und uns nur knapp davon abhalten können, es uns über den Kopf zu gießen, erzählt Annina, dass sie den „Traumsplitter“ zuerst komplett und dann die gekürzte Fassung gelesen hat. Anschließend beginnt sie mit dem „Leuchten“: jede Figur bekommt bei ihr eine eigene Farbe („Gelb für Ella, weil sie ein Sonnenschein ist.“) und der Text wird noch einmal darauf durchgesehen, wie betont werden muss. Dem Ergebnis ist dann anzuhören, wie gut Annina die Geschichte kennt. Da wird ein Satz hervorgehoben, weil sie weiß, dass seine Aussage später noch von Bedeutung sein wird, oder die richtigen Stellen ironisch betont, obwohl es erst auf den zweiten Blick ersichtlich ist.
Während ich vollkommen hin und weg bin, tippt Thomas – der den Text auf seinem i-Pad verfolgt - immer wieder auf einen roten Knopf. Das Studio, in dem Annina liest, ist nämlich schalldicht und man braucht dieses Knöpfchen, damit sie uns hören kann. Wir hingegen hören alles, was sie von sich gibt, sogar ein Magenknurren. Sobald Thomas also bemerkt, dass ein Wort vorschluckt wurde oder er einen Vorschlag machen möchte, wie man einen Satz auch anderes sprechen könnte, drückt er das berühmte Knöpfchen. Oder auch nicht. Dann erklingt plötzlich Anninas Stimme: „Hey, worüber lacht ihr denn? Ich sehe doch, dass ihr die Lippen bewegt. Thomas, lass mich auch mithören!“
Man merkt schon, die Stimmung während der Aufnahme war locker-flockig, obwohl die Arbeit volle Konzentration kostet. Zeitintensiv ist sie auch, aber das schien niemanden zu stören, auch nicht Benjamin Schadel-Hermann, den Tonleiter mit Zwirbelschnurrbart und „Iron Maiden“-T-Shirt, der in aller Ruhe über den im Text vorkommenden Kimono spricht, wo er doch Japanologie studiert hat. Da wundert man sich auch nicht weiter, dass Annina für Thomas plötzlich „Blümchen“ heißt, schließlich spielt ein Garten eine wichtige Rolle im „Traumsplitter“.
Als wir abends auf allen vieren aus dem Tonstudio krabbeln, wünsche ich mir inständig, das fertige Hörbuch bereits mit nach Hause zu nehmen. Beim Zuhören hatte ich zeitweise vergessen, dass ich den Text ja kenne, so begeistert war ich. Aber leider, leider wird das ganze noch ein Weilchen dauern, bis es soweit ist: Benjamin wird nun in Geduldsarbeit die Sätze richtig aneinanderbauen, raussuchen, welche Satzvariante die bessere ist und Anninas „Das kann ich schöner. Noch einmal!“ rausschneiden. An zehn Minuten Aufnahme sitzt er deshalb ca. eine Stunde. Auweia.
Ich habe allerdings das gute Gefühl, dass sich die Arbeit wirklich lohnt.
Lam-ping-pong.

PS: Demnächst stelle ich ein kleines Interview mit Annina in meinen Blog. Ich bin jetzt schon gespannt!

Und hier noch ein paar Foto zur hübschen Veranschaulichung ;-)




Annina im Studio - ganz entspannt



Ihr "geleuchteter" Text


Thomas, Text und Tanja

Donnerstag, 18. August 2011

Nichts als Schererei mit der Drei


Eigentlich sollte man denken, dass es Pillepalle ist, den letzten Band einer Trilogie zu schreiben. Denn falls der Autor seine Figuren bis jetzt nicht aus dem Effeff kennt, werden sie ihm für immer ein Rätsel bleiben. Und der Super-Knüller-Höhepunkt, auf dem man schon seit zig Seite zusteuert, sollte lediglich ein Klacks sein, schließlich sind alle Pfade bereits daraufhin ausgerichtet. Der Schreiberling läuft quasi ausschließlich bekanntes Gelände ab.
Ahnungslos, wer solches denkt.
Während ich über dem Schlussband der „Schattenschwingen“ brüte, erinnere ich mich daran, dass ich das alles schon einmal bei der „Maliande“-Trilogie durchgemacht habe. Allerdings fällt mir das erst jetzt ein. Als mir die Idee für die Sphären-Reihe gekommen ist, habe ich daran keinen Gedanken verschwendet. Offenbar ist es mit dem Schreiben wie mit dem Kinderkriegen: sobald das Baby das Licht der Welt erblickt, hat die Mama ihr ausgiebiges Schreien und Schimpfen bereits vergessen.
Hallo da draußen? Könnte bitte jemand für mich dokumentieren, wie ich im Augenblick verzweifelt abwäge, welcher Nebenfigur noch wie viel Spielraum zugestanden werden kann, und welcher Faden aus Platzmangel einfach abgeschnitten wird? Sonst verdränge ich auch das sofort wieder und stürze mich in die nächste Reihe. Ist mir durchaus zuzutrauen.
Womit das große Problem beim Abschlussbandschreiben auch schon benannt ist: die Überdosis an Möglichkeiten. Man baut nicht nur an dem an, was man in den beiden Vorgängerbänden erschrieben hat, sondern möchte ja auch Neues schaffen, ohne den Rahmen zu sprengen.
Vielleicht bn ich ja auf dem falschen Floss unterwegs, aber ich bin kein Fan von Abschlussbänden, deren Umfang explodiert, weil der Autor den roten Faden verloren hat und mittlerweile alles wichtig findet und jede Klitzekleinigkeit auserzählt. Klar, das Bedürfnis verspüre ich auch. Schließlich hat man all die Geschichten im Kopf, aber in so einem Fall muss man ganz hart den Michael Ende machen und sagen „aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden“.
Vor lauter Grübeleien bin ich so erschöpft, dass mir nicht einmal ein ordentlicher Schlusssatz einfällt. Außer dem hier: mit einer Fortsetzung über das Gestöhne über das Schreiben von Fortsetzungen ist bei mir definitiv zu rechnen. In mindestens drei Teilen!

Mittwoch, 17. August 2011

Schatzsuche: Aus die Maus

Ahoi! Das kommt davon, wenn man kurzerhand ans Meer fährt, anstatt das Ende der Schatzsuche abzuwarten: man gratuliert - mit vielen Tagen Verspätung - den Gewinnern und kann auch nur hoffen, dass auch alle anderen Teilnehmen viel Spaß hatten.

Nun ja, besser zu spät als nie ... darum herzlichen Glückwunsch an alle Schatzsucher, Homepagespringer, Piraten und natürlich an die glücklichen Einheimser! Hier kommt auch noch der Link für alle diejenigen, die sich wie ich woanders getummelt haben: http://www.youtube.com/watch?v=YCaGL197Iwo&feature=player_embedded

Eure Landratte Tanja

Sonntag, 31. Juli 2011

Schatzsuche der fantastischen 10


Herzlich willkommen, liebe Schatzsucher!
Wenn Ihr so weit gekommen seid, habt Ihr ja schon einiges gesehen, gelesen und hoffentlich auch schon viel Spaß gehabt. Nachdem vermutlich schon jede Menge Buchstabenstaub auf Euch niedergerieselt ist, gibt es nun eine kleine Abwechslung ... ein Bild.

Schattenschwingen tragen kein Gefieder, trotzdem kann ihnen etwas verloren gehen ... und der Anfangsbuchstabe von diesem kleinen Etwas, um den geht es bei meinem Rätsel.

Erraten? Dann geht es weiter bei meiner lieben Kollegin Michaela Hammesfahr (http://hammesfahr-fantasy.blogspot.com/) und wer gerade als Neusteiger reinkommt, geht einfach auf die Webpage von Jeanine Krock, die den Startschuss gibt. Viel Glück!

Sonntag, 24. Juli 2011

Kreativ, mal anders


Da bin ich also ... mal wieder. Gerade noch rechtzeitig, ansonsten wäre mein Blog bestimmt verhungert. Aber so ist das nun einmal, wenn Frau Autorin mit einem Teil ihres Denkapparats im Sprachlektorat steckt, während ein anderer nicht unwesentlicher Teil darauf besteht, schon mit dem neuen Roman zu beginnen, der schließlich schon viel zu lange warten muss.
Eigentlich eine schöne Sache eine solche Zweigleisigkeit. Das weiß man, dass man wirklich arbeitet und sich nicht ausschließlich vergnügt, indem man unschuldige Mädchen ihren schlimmsten Albtraum erleben lässt. Einen Albtraum mit blonden Locken und – ja, wer hätte es gedacht! – Engelsgesicht. Auch das Lektorat für den „Traumsplitter“ ist nicht ohne, da die Sprache sich von den anderen Dämonenbüchern unterscheidet. Nicht nur weil eine Geschichte über Figuren Anfang zwanzig anders erzählt werden muss, sondern auch wegen des Romans selbst: manche Autoren bleiben ihrem Erzählstil über viele Bücher hinweg treu, bei mir passt er sich automatisch der Geschichte an. Und in der Hafenstadt Sandfern herrscht gerade ein Jahrhundertsommer ... was man von unserem aktuellen Seltsamwetter nicht gerade behaupten kann.
Womit wir beim ABER ankommen sind. Hitze (v.a. in Kombination mit Schwüle) ist der absolute Konzentrationstod. Wer weiß, was in diesen drückenden Tagen, an denen man nur mit Hilfe einer Überdosis Fritz-kola überlebt, auf der Strecke geblieben ist? Und nach dem Temperaturensturz den Wollpulli rauszuholen und einen Kürbis als Herbst-Deko neben die Haustür zu rollen, macht es auch nicht unbedingt besser.
Hier mein Lösungsvorschlag: wenn man beim Versuch, sich auf das Buchstabenflimmern auf dem Bildschirm zu konzentrieren, zu schielen anfängt und am liebsten alles Getippselte löschen möchte, weil es nur Quark sein kann ... dann ist es höchste Eisenbahn umzulenken. Mir kam gerade eine Schatzsuche zur Hilfe, die ich mit KollegInnen ab dem 1. August für unsere Leserschaft veranstalten werde (für alle Interessierten: den Startschuss gibt Jeanine Krock auf ihrem Blog. Einfach draufschauen, es wird definitiv Spaß machen). Ich habe zum Zeichenstift gegriffen, etwas, das ich seit Jahren nicht getan habe. Es war genau das richtige, denn auf diese Weise kann man auch etwas erzählen, aber auf eine ganz andere Weise. Außerdem ist es zutiefst befriedigend, einer weißen Fläche einen Stempel aufzudrücken. Es müssen ja nicht immer Wörter sein.

Dienstag, 21. Juni 2011

Über Buchstaben-Gärtner

In Interviews und bei Lesungen wird oft die Frage gestellt, wie Autoren ihre Romane angehen, sobald die Grundidee steht.
Meiner Erfahrung nach gibt es dabei zwei Typen von Autoren: die eine Hälfte schreibt keinen Satz, bevor sie nicht exakt festgelegt hat, was in welchem Kapitel passieren wird. Der Roman steht also schon komplett, bevor er aufgeschrieben wird. Die Worte werden nur noch wie ein Kleid über die Schusterpuppe gezogen. Die andere Hälfte der Autoren, zu der ich zähle, stürzt sich in einen neuen Roman mit einigen vagen Ideen und gelegentlichen Anhaltspunkten wie „der Bösewicht ist gar keiner“. Dadurch wird das Schreiben zu einem Abenteuer, denn man kann sich selbst überraschen (unschlagbares Argument zur Motivation meiner Erfahrung nach).
Natürlich entspricht wohl kaum ein Autor zu hundert Prozent einem Typus, an manchen Tagen bin ich mehr Planer und an anderen eine konfuse Mischung, aber in Prinzip würde ich einer während des Schreibens entstandenen Idee stets mehr Vertrauen einräumen als meinen Reißbrettnotizen. Warum ich – und sicherlich auch einige der schreibenden Kollegen - das so mache, hat der große George R.R. Martin in der aktuellen RT wunderbar auf den Punkt gebracht: „You’re an architect, you plot everything in advance. I’m a gardener. I know what I’m planting, as it were, but I discover the shape in the writing. Being a gardener is less efficient. Sometimes you go down blind alleys and your tree can grow an unslightly limb that has to be lopped off, but you can also discover great beauty with my methods.”